Neapel – Glaube & Bindung

1000jährige lebendige Geschichte unter der Stadt Neapel –  Glaube und Bindung zwischen der Stadt Neapel und seinem Schutzpatron San Gennaro

09.3 Uhr Treff am Eingang von der Katakombe vom Heiligen Jannuaris, einer der 51 Schutzpatrone von Neapel.

Das unterirdische Neapel, wo unter anderem auch die Angehörigen bestattet wurden, hier befinden sich in Tuffstein gehauene Grabstätten und mit zum Teil geschmückten Grabwänden, mit Freskenbilder von den Verstorbenen. Für die Neapolitaner ist es auch der Ort, wo sich die verstorbenen Seelen mit seinen Angehörigen treffen, die Verbindung mit dem Leben nach dem Tod. Schon seit der Antike werden Andachten und Rituale gehalten und sie sind wichtiger Bestandteil im Alltagsleben eines Neapolitaners. Das interessante, hier entdeckt man auch Malereien aus der Zeit des Beginns der Verbreitung des Christentums.

San Gennaro, den Flammen und wilde Tiere nichts anhaben konnten, wurde als einer der Schutzpatrone von Neapel auserwählt. Im V. Jh. n. Chr. wurden die sterblichen Reste von San Gennaro hier in die Katakombe gebracht. Mit Entstehung der Krypta der Bischöfe, wurde in den Tuffstein eine meisterhafte dreischiffige Basilika eingefügt. In den Katakomben befinden sich auch die Reste von Sant’Agrippino, der 6° Bischof von Neapel und der erste Schutzpatron von Neapel.  Hier in den Katakomben wurde eine Einschiffige Basilika erbaut, heute kann man noch den Altar mit einem Öffnungsloch und den aus Tuff gehauen Bischofstuhl sehen. Die Gläubigen konnten so das Grab des Heiligen sehen und berühren. Heute noch wird in dieser Basilika die Messe gehalten.

Die Katakomben von San Gennaro enden an der Kirche San Gennaro, sie sind verbunden mit dem Krankenhaus von San Gennaro.  Dieser Rundgang ist auch möglich für Rollstuhlfahrer und für Blinde.

dsc_1882Rione di Sanita mit dem Cimitero di Fontanelle – Chiesa Santa Maria di Sanita – Katakomben von Gaudioso

Es geht zu Fuss weiter über die Via Sanita und Via Fontanelle, durch das Viertel bis nach dem Friedhof von Fontanelle. Wir erfahren durch unsere Reiseleitung mehr über den Totenkult der Neapolitaner, für den Einen oder Anderen wirkt es vielleicht etwas makaber. Der Friedhof Cimitile di Fontanelle ist auch in Tuffstein gehauen, er ist gefüllt mit Menschenknochen und Schädeln. Für die Neapolitaner ist dieser Friedhof das Symbol für die Verehrung der Toten, diese Hingabe ist eng verschmolzen mit Aberglaube und mit den Problemen und Wünschen aus dem täglichen Leben. Der Kult nennt sich „anime pezzentelle“ und wurde noch bis in die 60iger Jahre praktiziert. Man adoptierte einen von diesen Schädelknochen und polierte ihn, damit adoptierte man die Seele des Verstorbenen, im Tausch dafür wartete man auf die Wiedergutmachung und Vertreibung von Strafen oder der den Erhalt von Schenkungen.  Verlassen wir diesen Ort und spazieren wir weiter durch die Gassen von Rione Sanita. Es gibt wirklich keinen anderen Ort wie diesen, der so offensichtlich die Gegensätze Neapels repräsentiert.

In der griechisch-römischen Antike war dieser Ort, das Tal der Toten, hier befanden sich die Gräber. Wir erreichen die Kirche Santa Maria di Sanita, die einzige Kirche, wo die Außenfassade mit Street Art dekoriert wurde.

Der argentinische Künstler Francisco Bosoletti brachte Farben nach Rione Sanita. Poesie und Gewalt, Storie von jungen Leuten aus Neapel, mit Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Dieses Bild ist eines seiner Werke im Quartiere Rione Sanita.

Über die Barockkirche Santa Maria di Sanita betreten wir die Katakomben von San Gaudioso. In der vorchristlichen Epoche eines der wichtigsten Friedhöfe von Neapel. Unsere Reiseleitung erzählt uns warum San Gaudioso zum Heiligen der Stadt Neapel auserwählt wurde und welche Werke er zu seinen Lebzeiten vollbracht hatte. Wie in den Katakomben von San Gennaro, findet man auch hier die ersten christlichen Symbole aus dem V –  VI Jh. n. Chr.,. Sehr gut erhalten ist das Fresko von Pascenzio, Bischof von Novara, mit der Darstellung von drei Personen, San Pietro, der verstorbene Pascenzio und San Paolo.

In der Katakombe von San Gaudioso wurden nur Adlige und bischöfliche Amtsträger bestattet, sehr bizarr auf welche Art und Weise damals die Herrschaften bestattet wurden. Die Schädel der Verstorbenen wurden in die Felsenwand eingemauert und vom Schädel aus wurde für jeden Verstorbenen ein Fresko in Form von einem Knochengerippe gemalt. Dazu wurden die zugehörigen Kleider und Wertgegenstände des Verstorbenen malerisch dargestellt. An Hand dieser Bilder konnte man den sozialen Stand der verstorbenen Personen erkennen. Aber noch eigenartiger war zu hören, auf welche Art und Weise die Körper der Verstorbenen von den Mönchen bestattet wurden. Man nannte es „Il Rito della scolatura“. Bei dieser Methode entfernten die Mönche die Flüssigkeit aus dem Körper des Verstorbenen, die trockengelegten Knochenteile wurden dann in der Tomba aufbewahrt. Diese makabre Arbeit erledigte der „schiattamuorto“. Diese Art von Bestattung konnten sich nur Adlige und Reiche leisten. Es war für sie die Möglichkeit sich auf unvergessliche Art zu verewigen.

Mit den verdienten Geldern finanzierte man unter anderem den Bau und Dekoration der Kirche, die Santa Maria di Sanita, gebaut von dem dominikanischen Architekten Fra Nuovolo. Die Kirche ist bombastisch im Barock dekoriert, geschmückt mit Gemälden von Luca Giordano und vielen anderen Meistern aus dieser Epoche.

Nach dieser Besichtigung spazierten wir durch die quirligen Gassen von Rione Sanita. Mamma mia, vorbeirauschende Mopeds, hupende Autos, wedelnde Wäsche von den selbstgebauten Wäscheständern, viele kleine Verkaufsstände und Geschäfte und viele, viele Menschen. Napoli Live!

Zwischendurch Halt an einer der Wohnpaläste, entworfen und gebaut von Cosimo Fanzago. Am Stadttor von San Gennaro endet dieser beeindruckend Rundgang in der Rione Sanita.

Kurze Zeit für eine Mittagspause, natürlich Pizzaessen, aus Zeitgründen haben wir die Pizza gleich auf der Straße gegessen. War sehr lecker.

Certosa di San Martino

Unser letztes Ziel war die Besichtigung von der Certosa di San Martino. Von hier oben bietet sich ein unglaubliches schönes Panorama über die ganze Stadt von Neapel. Schnell noch ein paar Fotos. Wir besichtigen gemeinsam mit unserer Reiseleitung die prachtvoll, in Marmor geschmückte Kirche und die ehemalige Klosteranlage.

Der Tag neigt sich dem Ende und wir verlassen Neapel! Das Wochenende vergesse ich nicht so schnell! Es waren wunderbare Ausflüge

Advertisements